Keltengruppe „Riusiava“ schneidert keltische Alltagskleidung

Eine kleine Gruppe engagierter Bürger aus Hülben, Grabenstetten und
Erkenbrechtsweiler hat sich vor Monaten zusammengefunden, um keltische Gewänder zu nähen. Mit ihnen wurde dem frühgeschichtlichen Dorfleben beim Keltenfest Leben eingehaucht.

Kein leichtes Unterfangen. Denn erhalten haben sich über die Jahrhunderte fast ausschließlich Objekte aus Metall, Glas, Knochen und Ton, die somit nur Schlaglichter auf das Leben in der Vergangenheit werfen.
Ursel Bernlöhr, die zur Nähgruppe „Riusiava“ gehört, betont, dass deshalb viel Recherchearbeit notwendig war, um in Erfahrung zu bringen, wie die Alltagskleidung der Kelten beschaffen waren. Sigrid Kasparian berichtet, dass sich beispiels­weise im Salzbergwerk im österreichischen Hallstatt, zahlreiche Textilreste durch die konservierende Wirkung des Salzes gut erhalten haben. Daher würden sich die Gewänder relativ gut nachbilden lassen.

Roter Farbstoff gelangte über weite Strecken auf die Alb

Martina Welsch berichtet, dass die keltischen Kleider farbenprächtig waren. Gefärbt wurde mit pflanzlichen Farbstoffen, wie Welsch erzählt. So ergebe sich beispielsweise aus Birkenblättern ein helles Gelb und unter Zugabe von Eisensulfat entstehe die Farbe olivgrün. Mit Holunderbeeren lasse sich ein Graulila erzeugen und aus der Wurzel der Brennnessel die mit Alaun gebeizt wird, ergebe sich die Farbe wachsgelb. Klaus Beekmann berichtet, dass der rote Farbstoff importiert wurde. Er stamme von der Kermesschildlaus, die in Südfrankreich und Griechenland vorkommt. Die Kelten am Heidengraben haben Beekmann zufolge über weitreichende Handelsbeziehungen verfügt, wie unter anderem Funde von Weinamphoren belegen. Über weite Wegstrecken sei so auch der rote Farbstoff auf die Alb gelangt. Klaus Beekmann ist sich sicher, dass sich daher nur die Reichen rote Kleidung leisten konnten und die Gewänder damit auch Standesunterschiede in der keltischen Gesellschaft deutlich machten. Gleiches gelte für die kunstvoll verzierten Gewandnadeln, die sogenannten Fibeln, die sich die ärmeren Kelten nicht hätten leisten können.

Martina Welsch berichtet, dass die Kelten Flachs anbauten, den sie zur Kleiderherstellung nutzten. Ebenso sei Wolle zum Einsatz gekommen. Die kurzen Fasern wurden laut Sigrid Kasparian zu beliebig langen Fäden versponnen, was die Herstellung von großflächigen Geweben ermöglichte. Stoffe seien von den Kelten auch auf großen senkrechten Gewichtswebstühlen gewoben worden. Ebenso beherrschten die Kelten die Kunst des Brettchen­webens, wie Kasparian weiß. Diese Webtechnik, die sich wahrscheinlich bereits in der vorkeltischen Zeit entwickelte, diente zur Herstellung textiler Bänder und Gewebeabschlusskanten. Die keltischen Webbrettchen bestanden Kasparian zufolge aus Holz, Leder oder Knochen. Sie selbst hat eigens für die Gewänderherstellung die Webtechnik erlernt und so die Borten und auch den Gürtel für das Gewand angefertigt, das sie in aufwendiger Handarbeit hergestellt hat.

Mit Schild und Schwert zum Keltenfest

Über Wochen hinweg stellte die Nähgruppe Gewänder her. Darunter beispielsweise ein Peplos, ein Frauengewand, das auf griechische Vorbilder  zurückgeht und während der Eisenzeit in ganz Europa getragen wurde. Das schlauchartige Kleidungsstück wurde Sigrid Kasparian zufolge häufig mit einem Umschlag, über die Schultern hochgezogen und dort mit einer Fibel befestigt. Klaus Beekmann hat für das Keltenfest ein Schild angefertigt. Die Beschläge dafür ließ er, ebenso wie sein Schwert, bei einem Schmied anfertigen. Zum Gewand von Klaus Beekmann gehört auch ein Überwurf. Dabei handelt es sich um rechteckiges Wolltuch, das von Männern wie Frauen getragen wurde. „Das Manteltuch wurde im oberen Bereich umgeschlagen“, berichtet Beekmann. „Und auf der Schwertarmschulter wurde das so genanntes agum von einer Fibel zusammengehalten, während es auf der anderen Schulter in dekorative Falten gelegt wurde.“ Der Mann im keltischen Kriegergewand ist sich sicher, dass die Nähgruppe einen Beitrag dazu leistet, das Bewusstsein für das Kulturerbe am Heidengraben unter der Bevölkerung zu steigern.

Text: Daniela Haußmann